„Tag des Kaffees“ am 1. Oktober

Am 1. Oktober ist es dann endlich wieder so weit: „Tag des Kaffees“

Als KAFFEELAND ist das bereits unser 11-ter. Grund genug, uns endlich einmal auf die Suche nach dem Ursprung dieses außergewöhnlichen Tages zu begeben.

Der „Tag des Kaffees“ wird in vielen Ländern gefeiert und üblicherweise von den jeweiligen Kaffeeverbänden initiiert. Das sollte die Suche nach dem ersten „Tag des Kaffees“ dann doch recht einfach gestalten … dachten wir.

Der Internationale

Wir beginnen auf der Seite der International Coffee Organization (ICO) und erhalten die Bestätigung, dass am 1. Oktober der „International Coffee Day“ zelebriert wird. So lange ist dem allerdings noch nicht so, wurde diese Tradition doch erst mit der Expo 2015 in Mailand begründet. Die Jahreszahl bestätigt uns auch die Seite des Deutschen Kaffeeverbandes. Dort lesen wir weiters, dass der „Tag des Kaffees“ 2006 von eben diesem Verband ins Leben gerufen wurde und seit 2015 nun auch international von der ICO organsiert wird. Eigentlich wäre damit doch die Suche nach den Anfängen beendet. Ließe sich daraus doch schließen, dass der Deutsche Kaffeeverband der ursprüngliche Initiator dieses besonderen Tages sei. Nur den Detailverhafteten kümmert es, dass in Österreich heuer der 19. „Tag des Kaffees“ begangen wird, somit 5 Jahre vor unseren Nachbarn zum ertsenmal.

Der Österreichische

Das erinnert uns an den Beginn unserer Reise in die Welt des Kaffees. Da waren wir unwissenderweise immer wieder mit der Frage konfrontiert, wann jetzt eigentlich der „Tag des Kaffees“ sei. Zu dieser Zeit wurde nämlich in Deutschland noch am ersten Samstag im September gefeiert. Erst mit Einführung des „International Coffee Day“ wurde auf den 1. Oktober gewechselt. Was waren wir froh, als dieses Problem endlich vom Tisch war. Da kümmerte uns auch nicht, wer diesen Tag zuerst beging. Und dass in Ungarn bereits am 29. September „happy coffee day“ gerufen wird.

Heute wollen wir aber ganz genau hinschauen. In Österreich wird also bereits seit 2001 am 1. Oktober vom österreichischen Kaffee- und Tee-Verband zum „Tag des Kaffees“ aufgerufen. Ist Österreich nun der Begründer dieses denkwürdigen Tages für unser Lieblingsgetränk. Immerhin hat sich „unser“ Datum international durchgesetzt und sogar Deutschland dieses übernommen. Oder gab es schon vor 2001 „Tage des Kaffees“ und warum gerade am 1. Oktober?

Und jetzt wird es dann doch wieder verwirrend. Jeder feiert, aber keiner kennt, den Ursprung dieses Feiertages. International wurden schon „immer“ unterschiedliche Veranstaltungen unter dem Titel Kaffeetag oder Nationaler Kaffeetag abgehalten, die meisten davon am oder um den 29. September.

Die Meisten

Wir beginnen in Amerika, möglicherweise gab es in den USA bereits davor einen speziellen Tag rund um das Thema Kaffee. Am 3. Oktober 2009 wurde bei einer Pressekonferenz zur Ankündigung der ersten New Orleans Coffee Festivals im Southern Food and Beverage Museum erstmals der Begriff „International Coffee Day“ genutzt. Der erste „National Coffee Day“ wurde 4 Jahre davor gefeiert, somit 4 Jahre nach Österreich. Diese Fährte erweist sich bei unserer Suche nach dem ersten „Tag des Kaffees“ als Flop.

Dafür können die Amerikaner mit zusätzlichen Feiertagen um unser braunes Gold aufwarten: am 18. Jänner wir der „Tag des Gourmetkaffees“ gefeiert (National Gourmet Coffee Day), am 20. Jänner der „Tag der Kaffeepause“ (National Coffee Break Day), am 17. Februar der „Tag des Milchkaffees“ (National Cafe au Lait Day), am 7. April der „Tag des Kuchens zum Kaffee“ (National Cake to Coffee Day), am 26. Juli der „Tag des Kaffee-Milchshakes“ (Coffee Milkshake Day), am 6 . September der „Tag des Kaffee-Eis“ (Coffee Ice Cream Day), am 8. November der „Tag des Cappuccino“ (Cappuccino Day) und am 23. November der „Tag des Espresso“ (Espresso Day).

Die Anderen

Wir werden auch in anderen Ländern fündig. So feiert Indonesien seit 2006 am 17. August nicht nur den Unabhängigkeitstag sondern auch seinen „nationalen Tag des Kaffees“. Nepal feiert am 17. November (seit 2005), Taiwan am 7. November (seit 2009). Jedoch alle nach unserem österreichischen Feiertag. Dann stoßen wir auf eine Quelle, die angibt, dass die ICO in China bereits 1997 einen Tag des Kaffees beworben hätte.

Der Älteste

Zum vermutlich ältesten Eintrag werden wir dann endlich in Japan fündig. Hier wird seit 1983 der 1. Oktober als Kaffeetag bezeichnet und es werden uns auch gleich zwei Gründe dafür mitgeliefert. Zum einen weil in Brasilien mit Ende September die Haupternte abgeschlossen ist und somit mit 1. Oktober ein neues Kaffeejahr beginnt. Zum anderen aufgrund der höheren Nachfrage nach Kaffee im Herbst und Winter wurde von der All Japan Coffee Association der 1. Oktober als „Kaffeetag“ bezeichnet.

Alle Kaffee-Feiertage im Jahreskreis

Aufgrund der vielen nationalen Entwicklungen gibt es auch keinen „wirklichen“ internationalen „Tag des Kaffees“, denn über das Jahr hinweg stoßen wir auf folgende Feiertage zu Ehren des Kaffees:

  • 3. Jänner: „Tag des Kaffees“ in der Mongolei
  • 18. Jänner: „Tag des Gourmetkaffee“ in der USA
  • 20. Jänner: „Tag der Kaffeepause“ in der USA
  • 17. Februar der „Tag des Milchkaffees“ in der USA
  • Anfang April: „Tag des Kaffees“ in China
  • 7. April: „Tag des Kuchens zum Kaffee“ in der USA
  • 14. April: „Tag des Kaffees“ in Portugal
  • 6. Mai: „Tag des Kaffees“ in Dänemark
  • 24. Mai: „Tag des Kaffees“ in Brasilien
  • 27. Juni: „Tag des Kaffees“ in Kolumbien und Nordkorea
  • 26. Juli: „Tag des Kaffee-Milchshakes“ in der USA
  • 22. August: „Tag des Kaffees“ in Peru
  • 6 . September: „Tag des Kaffee-Eis“ in der USA
  • zweiter Freitag im September: „Tag des Kaffees“ in Costa Rica
  • 19. September: „Tag des Kaffees“ in Irland
  • 28. September: „Tag des Kaffees“ in der Schweiz
  • 29. September: „Tag des Kaffees“ in Äthiopien, Australien, Belgien, Indien, Indonesien, Island, Kanada, Malaysien, Neuseeland, Norwegen, Schweden, Slowakei, Ungarn und der USA
  • 1. Oktober: „Tag des Kaffees“ in Österreich, Deutschland, Japan und Rumänien
  • 21. Oktober: „Tag des Kaffees“ auf den Philippinen
  • 7. November: „Tag des Kaffees“ in Taiwan
  • 8. November: „Tag des Cappuccino“ in der USA
  • 17. November: „Tag des Kaffees“ in Nepal
  • „Tag des Espresso“ in der USA

Die Alternative

Für uns als Kaffeeröster ist ohnedies jeder Tag ein „Tag des Kaffees“. Wer sich also nicht sicher ist, ob er nun am 1. Oktober den „Tag des Kaffees“ feiern soll oder nicht, der hat für dieses Datum auch noch den „internatonalen Tag der älteren Menschen“ oder den „Weltmusikertag“ oder den „Weltvegetariertag“ die begangen werden wollen. Unserer Meinung nach besteht die angemessenste Variante einen besonderen Tag zu feiern ohnedies immer darin, eine Tasse frisch gerösteten und frisch gebrühten Kaffee zu genießen.

Und wer noch schnell Spezialitätenkaffee für einen der Kaffeefeiertage benötigt, wird sicherlich in unserem Onlineshop fündig.

Caffé alla Salentina oder die Geschichte vom Iced Coffee

Vermutlich lieben wir den Caffé alla Salentina ganz besonders, weil sein Ursprung in Lecce liegt. Denn Lecce ist jene Stadt in Süditalien, wo sich ein Zweig unserer Familie niedergelassen hat. (Danke nach Lecce für diese leckere Kaffeespezialität)

Interessant ist aber auch die Geschichte wie Antonio Quarte auf die Idee des Caffé alla Salentina kam. Übrigens manche nennen dieses Kaffeegetränk auch Caffé Salentino, manche Caffé Leccese und manche sagen auch einfach nur Iced Coffee dazu.

Aber nun zurück zur Geschichte, wie es zur Rezeptur kam.

Es war in den 1950er Jahren als es es noch keine Kühlschränke gab, Lebensmittel daher in Eisboxen aufbewahrt wurden. Die Eisblöcke für diese Konservierung von Lebensmitteln konnten über die Gastronomie bezogen werden. Antonio Quarte begann genau zu jener Zeit mit dem Kaffeerösten in seiner Bar namens La casa del Caffé im historischen Zentrum von Lecce. Neben seinem selbst gerösteten Kaffee verkaufte er auch besagte Eisblöcke. Eines Tages im Hochsommer hatte er dann die geniale Eingebung, die beiden Dinge zu kombinieren, um der Sommerhitze zu trotzen und das Ganze zusätzlich mit Mandelmilch zu süßen. Sofort wurden kleine unregelmäßige Würfel aus dem Eis gebrochen, direkt mit frischem Kaffee aufgegossen und nach Kundenwunsch mit Mandelmilch gesüßt.

Heute gehört es vermutlich zur Pflicht eines jeden Salento-Besuchers eine Bar (am Besten die Avio Bar in 73100 Lecce, Via Salvatore Trinchese 16, die Familienbar des Urgroßvaters Antonio) aufzusuchen, um diese für die Region typische Kaffeekreation zu verkosten.

Aber im Grunde hält uns nichts davon ab, diesen Eiskaffee mit einem Espresso aus einem italienischen Espressokännchen zu Hause selbst zuzubereiten. Was wir benötigen ist frischester Espresso. Wir konnten in Erfahrung bringen, dass die Original verwendete Kaffeemischung, welche seit vier Generationen von den Quartas verwendet wird, zu 90% aus Arabica und zu 10% aus Robusta besteht. Daher haben wir auch eine derartige Mischung für unseren Iced Coffee Espresso gewählt.

Rezept und Anleitung

Zutaten (für 4 Personen):

  • 4 Tassen frisch zubereiteten Espresso
  • 100g Marzipanrohmasse
  • 35ml Mandelmilch
  • 500ml Milcheis (oder Vanilleeis oder Joghurteis)
  • Mandelblättchen nach Belieben

Und so wird´s gemacht:

  1. Die Marzipanrohmasse mit der Mandelmilch und einigen Mandelblättchen in einen Mixer geben und bei hoher Stufe zu einer glatten Masse mixen,
  2. das Milcheis beigeben und mit einem Schneebesen gut vermischen.
  3. Anschließend die fertige Masse luftdicht verschließen und über Nacht (mindestens 12 Stunden) ins Tiefkühlfach stellen.
    ******************
  4. Am nächsten Tag einige Mandelblättchen auf einem Backpapier bei 200ºC eine Minute lang rösten,
  5. zwei Eiskugeln (unserer speziellen Eismischung) in eine Tasse oder ein Glas geben,
  6. und mit einem frisch zubereiten Espresso vorsichtig übergießen,
  7. die gerösteten Mandelblättchen darüber streuen und
  8. umgehend servieren.

Obiges Rezept ist unsere Favorit der unterschiedlichsten Varianten des Caffé Salentino. Wenn´s einmal besonders schnell gehen soll, ist aber möglicherweise auch das Original (ein Caffé con ghiaccio con latte di mandorla) eine leckere Variante. Hierzu werden einfach 3 Esslöffel kalte Mandelmilch in ein Glas mit 3-4 Eiswürfeln gegossen. Danach den Espresso ganz langsam in das Glas eingießen. Etwas Besonderes wird dieses Kaffeegetränk durch das langsame Eingießen des Espresso. Dabei bleibt die Mandelmilch am Boden und es bilden sich schöne Schichten.

Zur Herkunftsregion: Salento (Salentina) ist der Name des Absatzes des italienischen Stiefels (die rund 100 km langen und 40 km breite Halbinsel im äußersten Südosten Italiens). Sie gehört zur Region Apulien und umfasst die Provinz Lecce sowie Teile der Provinzen Tarent und Brindisi. Lecce, der Geburtsort des Normannenkönigs Tankred, ist neben Brindisi die bedeutendste Stadt der Region. 

Irish Coffee – Rezept und Geschichte

Westirland, 1942. Wir befinden uns im Restaurant des irischen Flughafens Foynes, im Westen Nordirlands. Eine Gruppe Reisender sitzt an einem Tisch. Küchenchef Joseph Sheridan serviert ihnen, während sie das Betanken ihrer Überseemaschine abwarten, gesüßten Kaffee mit einem Schuss irischen Whiskey und einer Sahnehaube. Die Gruppe war sofort begeistert und Joe erntete für den ersten Irish Coffee großes Lob.

Wirklich populär wurde der Irish coffee jedoch nicht in Irland sondern erst einige Jahre später in der Zieldestination von Joe´s Gästen. Durch den Journalisten und Pulitzerpreisträger Stanton Delaplane auf das Getränk aufmerksam geworden, verhalf Jack Koeppler ab 1952 in seinem Buena Vista Café in San Francisco dem Heißgetränk zu internationaler Bekanntheit. Fälschlicherweise wird daher oft das Buena Vista als Ursprung des Irish coffee bezeichnet.

Mittlerweile fliegen Genießer weltweit auf diese Kaffeespezialität. Denn dieser Kaffee hat es wahrlich in sich: Original irischer Whiskey mit einem einzigartigen Aroma, das den heißen, starken, herrlich duftenden Kaffee voll zur Geltung bringt.

Und so wird´s gemacht

  1. Rechaud Brenner anzünden
  2. 30-40ml Irischen Whiskey mit 2 Telöffel Zucker in das Irish-Coffee-Glas einfüllen
  3. Das Glas am Rechaud positionieren und den Whiskey erwärmen, das Glas dabei immer drehen bis sich der Zucker aufgelöst hat. (Optional kann der Whiskey dabei auch angezündet werden – VORSICHT vor der Flamme)
  4. Sofort mit heißem und kräftigem Kaffee auffüllen (bis ca. 1 cm unter den Glasrand)
  5. Einen Kaffeelöffel umgedreht über das Glas halten und halbsteifgeschlagenen Schlagobers (Sahne) langsam und sorgfältig dazu gießen, so dass sich diese nicht mit dem Kaffee vermengt.
  6. Bitte nicht umrühren, sondern das köstliche Getränk durch den gekühlten Schlagobers hindurch genießen.

Bei der klassischen Variante wird der Whiskey dem davor über der Flamme karamellisierten Zucker beigemengt.

Hier geht´s zum Irish Coffee-Set in unserem Shop

Beitragsbild von grafmex auf Pixabay

Cold Brew – die Geschichte vom kalten Kaffee

Gleich einmal zu Beginn zur Klarstellung: Nicht jeder kalte Kaffee wird automatisch zu einem Cold Brew.

Iced Coffee ist kein Cold Brew

In den letzten Jahrzehnten war „iced coffee“ sehr populär. Dieser hat aber nichts mit einem Cold Brew gemeinsam. Für einen „iced coffee“ wird ein heiß gebrühter Kaffee verwendet, der direkt von der Espressomaschine gemeinsam mit Eiswürfeln in einen Cocktailshaker wandert und darin so lange geschüttelt wird, bis das Eis aufgelöst und der Kaffee kalt ist. Wir erhalten ein tolles Kaltgetränk, welches aber nichts anderes als eine Kaltvariation unseres geliebten Espressos ist.

Cold Brew coffee hingegen ist etwas ganz anderes. Obwohl die wortwörtliche Übersetzung von cold brew (= kalt gebraut) in sich schon widersprüchlich wäre, bringt sie doch das Wesentliche zum Ausdruck: kalt gebraut. Denn ein Cold Brew wird tatsächlich mit kaltem Wasser gebraut und ergibt somit eine gänzlich andere Variation unseres Lieblingsgetränks. Die Extraktion der Inhaltsstoffe erfolgt hier über die Zeit (mehrere Stunden) und nicht – wie sonst üblich – über die Temperatur. Dadurch werden auch deutlich weniger Säuren und Bitterstoffe gelöst und wir erhalten ein mildes Kaffeegetränk mit lieblichen Aromen.

Um diese Zubereitungsart besser zu verstehen, haben wir uns auf die Suche nach der Herkunft dieser Methode begeben. Eines vorweg, das modern anmutende Getränke hat schon einige Jahrhunderte am Buckel.

Grundsätzlich haben sich parallel annähernd zur selben Zeit zwei leicht unterschiedliche Variationen der Cold Brew Zubereitung entwickelt:

Cold Brew Coffee

Bei uns ist diese Zubereitungsart schon seit Jahrhunderten bekannt. Die ursprünglich als Kaltauszug bezeichnete Methode ist allerdings über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Vermutlich mit dem Hintergrundwissen aus der Pflanzenheilkunde kam das Verfahren der Mazeration auch bei der Kaffeeextraktion zur Anwendung.

Aber wie funktioniert nun dieses jahrhundertealte kalte Brauen von Kaffee.

Bei der Cold Brew Kaffeezubereitung geben wir den grob gemahlenen Kaffee zusammen mit kaltem Wasser in ein Gefäß und lassen das Ganze gut ziehen. Nach 12 bis 24 Stunden wird der Kaffee gefiltert. Diese Zubereitung ermöglicht uns die Intensität des Konzentrats durch das Verhältnis von Kaffeemehl zu Wassermenge ebenso gut steuern, wie die geschmackliche Extraktion über die Kontaktzeit von Kaffee und Wasser.

Cold Drip Coffee

Ausgangspunkt dürfte im 17 Jahrhundert „Niederländisch-Indien“, das heutige Indonesien, gewesen sein. Niederländische Kaufleute wollten auf ihren Reisen nicht auf das neue Lieblingsgetränk verzichten und erfanden daher die Cold-Drip-Kaffeezubereitung (wird manchmal auch als Dutch iced coffee bezeichnet). Dadurch wurde der Kaffeekonsum von der Verfügbarkeit einer Hitzequelle unabhängig. Vermutlich waren es auch die Niederländer, die dieses Zubereitungsverfahren kurze Zeit später nach Japan gebracht haben, wo sich die Entwicklung dieser Brühmethode über 400 Jahre zurückverfolgen lässt. In Japan wurde aus dieser holländischen Notlösung eine Brühmethode mit kunstvollen Zubereitern (elegante, hohe Glastürme), welche auch unter dem Namen Kyoto Kaffee (benannt nach der Stadt) bekannt wurde.

Cold Drip Coffee ist eine Variation der Cold Brew Zubereitung und beruht auf der holländische Notlösung. Dabei benutzen wir die Schwerkraft. Das kalte Wasser gelangt von oben tröpfchenweise auf den gemahlenen Kaffee und rinnt dann nach unten durch einen Filter in ein Gefäß. Manchmal werden auch Eiswürfel als Wasserquelle verwendet, weil das langsame Schmelzen den Wasserzufluss verzögert.

In unserem Onlineshop finden sich Zubereiter für beide Varianten des kalten Brühens.

Cafés und Coffee Shops in Europa

In den letzten Tagen wurde von der SCA eine Statistik zur Anzahl der Cafés und Coffee Shops quer durch Europa veröffentlicht.

Hinter der SCA Bezeichnung Café verstecken sich unsere klassischen Kaffeehäuser, die neben Kaffee auch ein breites Getränke- und Speisenangebot haben. Ein Coffee Shop hingegen hat einen eindeutigen Fokus auf Kaffee und bietet möglicherweise auch noch Snacks und Gebäck an.

Auffallend an dieser Statistik ist, dass die Zahl der Cafés im Vergleich zu 2010 rückgängig (-8%) ist, während die Coffee Shops ein deutliches Wachstum (+74%) verzeichnen. Die Ursache dieses Cafésterbens ist vermutlich im veränderten Konsumverhalten zu sehen, denn der Umsatz in den Cafés ist stärker (-12%) gesunken, wohingegen die Coffee Shops umsatzmäßig sogar noch deutlicher (+140%) zulegen konnten. Dieses Cafésterben zieht sich quer durch ganz Europa, ausgenommen Schweden, Dänemark, Portugal, Türkei und Irland. Am stärksten betroffen ist Belgien wo sich die Zahl der Cafés im Vergleichszeitraum beinahe halbiert (-43%) hat.

Den größten Einfluss auf Veränderungen bei den Umsatzwerten haben Spanien, Italien und Griechenland – in diesen drei Ländern wird in Summe ein 49% Anteil am Gesamtumsatz der Cafés in Westeuropa erzielt.

Über den meisten Umsatz freuen dürfen sich die Betreiber in Griechenland. Hier lässt jeder Einwohner € 553 im Jahr in einem Kaffeehaus. Mit deutlichem Abstand folgt Österreich an zweiter Stelle mit einem Jahresumsatz von € 253 pro Einwohner.

Im Gegensatz zu den Cafés (welche zu 98% unabhängige Unternehmen sind), sind die Coffee Shops größtenteils Teil einer großen Kette (trifft auf 75% aller Coffee Shops zu). Auch in Österreich ändert sich das Bild kaum: 98% Cafés sind unabhängig und 63% der Coffee Shops sind Teil einer Kette. Somit der Apell an alle, die heimische Unternehmen unterstützen wollen, entweder das klassische Kaffeehaus zu besuchen oder genauer zu schauen und die Coffee Shops großer Ketten zu meiden – auch in Österreich gibt es genügend unabhängige Coffee Shops.

Die größte Dichte an Cafés und Coffee Shops zusammen gibt es in der Türkei (hier müssen sich nur 219 Einwohner ein Lokal teilen), knapp gefolgt von Portugal und Griechenland. Österreich rangiert knapp nach Ungarn an der fünften Stelle. In Oberschützen im Südburgenland ist die Dichte sogar noch höher als in der Türkei: Mit derzeit 8 Lokalen auf 1.000 Einwohner, kommen 125 Einwohner auf ein Lokal – damit sind wir in Oberschützen wohl Europameister. (In der Titelgrafik dieses Beitrages „Wie viele Einwohner sich in den Ländern Europas eine Kaffeehaus teilen müssen“ und obiger Betrachtung ist die Zahl der Cafés und Coffee Shops zusammengefasst.)

Den zugehörigen SCA Artikel zum Nachlesen gibt es hier.

Unsere Kaffeetipps (Cafés und Coffee Shops) für Reisen gibt es hier.

Trink deinen Kaffee und ich sag dir, wer du bist

Auch wissenswert: Aus welcher Gesellschaftsschicht jemand stammte, konnte Anfang des 18. Jahrhundert auch anhand der Art des Kaffeekonsums erkannt werden.

Nur das aufkommende Bürgertum nutzte ein Kaffeegedeck, so wie wir es heute in Kaffeehäusern gewohnt sind. (obwohl mich manchmal die coffee-to-go-Kultur in dieser Aussage leicht verunsichert)

Bauern und Arbeiter hatten am Ende des 17. Jahrhunderts zum Frühstück noch die äußerst nahrhaften Bier- und Mostsuppen. Dieser frühmorgendliche Alkoholkonsum (trotz der Verwendung von Dünnbier) wurde verständlicherweise aber mit der Zeit durch Kaffee abgelöst. Vermutlich trug die daraus resultierende, durch den Kaffee gesteigerte Produktivität der Fabriksarbeiter auch zur Beschleunigung der industriellen Revolution bei. Bauern und Arbeiter löffelten daher meist auch ihren Kaffee (oft auch mit eingebrocktem Brot) aus dem Suppenteller.

Das Makeup im Rokoko (Betonung der roten Lippen, roten Wangen und Augenbrauen und dazu zur Kontrastierung die Gesichtshaut weiß gepudert) führte dazu, dass der um sein hitzeempfindlich geschminktes Gesicht Angsthabende seinen Kaffee in die Untertasse goss, damit dieser (aufgrund der größeren Oberfläche) schneller abkühlen konnte. Daher trank der Adel seinen Kaffee also aus der Untertasse.

Somit verriet die Art und Weise, wie jemand seinen Kaffee trank (Kaffeegedeck, Suppenteller oder Untertasse), auch sogleich, welcher sozialen Schicht die Person angehörte.

„Trink deinen Kaffee und ich sag dir, wer du bist.“

volkstümliches Sprichwort im 18 Jhdt.

Das Beitragsbild „Les Amateurs de Café“ stammt von Louis-Léopold Boilly (1761-1845)

Die ursprünglich in einer Mappe von 94 humorvollen Lithographien von Boilly in den 1820er Jahren von François-Séraphin Delpech in Paris als Recueil de Grimaces (Portrait-Gruppen von vier oder fünf Köpfen mit übertriebener Mimik) veröffentlichte Zeichnung findet sich auch in unserem Kaffeemuseum.  Damit ist unser kleines Familienmuseum in berühmter Gesellschaft angekommen, sind doch Drucke aus dieser Serie auch in den Sammlungen viel bekannterer Museen zu finden, darunter der Louvre, das Metropolitan Museum of Art und der Library of Congress.

Louis-Léopold Boilly wurde als Trompe-l’oeil-Maler ausgebildet und zog im Jahr 1785 nach Paris. Er ist für seine Portraits und Genrebilder (Szenen aus dem Pariser Alltagsleben, politische Themen, Karikaturen und humoristische Lithographien) bekannt. Zu Lebzeiten waren seine akribisch realistischen Gemälde und seine Drucke in der Bevölkerung und unter Sammlern äußerst beliebt. 
Er stellte zwischen 1791 und 1824 im Salon de Paris aus und erhielt 1804 eine Goldmedaille. Im Jahr 1833 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und in das Institut de France aufgenommen, kurz danach fiel seine Arbeit jedoch in Ungnade.

Ansari Djerzeri Hanball Abd-al-Kadir (16 Jhdt.)

Offensichtlich hat Ansari Djerzeri Hanball Abd-al-Kadir bereits im 16. Jahrhundert erkannt, dass Kaffee die Ausschüttung von „Glücks“hormonen (wie Serotonin) fördert. Dies würde erklären, warum er Kaffeetrinkern Fröhlichkeit zuschreibt.

Ein Blick auf die Geschichte des Kaffees lässt im Ausspruch von Ansari Djerzeri Hanball Abd-al-Kadir jedoch die Charaktereigenschaft Mut vermissen. Ganz ungefährlich war die Erwähnung von Kaffee im 16 Jahrhundert nämlich nicht (auch nicht im Umfeld des persischen Safawiden Reiches, ebenso wenig im Osmanischen Reich).

Um 1511 öffneten in Mekka zwar bereits die ersten Kaffeehäuser. Diese mussten jedoch auch schon bald wieder schließen. Diese Schließungen waren nicht in der Unbekanntheit des neuen Getränkes begründet, sondern sie waren die Folge der Verhängung eines ersten Kaffeeverbots, welchem noch viele weitere in allen möglichen Ländern (auch Österreich) folgen sollten. Im 16. Jahrhundert wurden als Folge von Kaffeeverboten nicht nur Kaffeehäuser niedergerissen (daher wurden Kaffeehäuser manchmal auch hinter Barbierläden versteckt), Kaffeetrinker waren mancherorts auch starken Verfolgungen ausgesetzt. So gesehen hätte Ansari Djerzeri Hanball Abd-al-Kadir den Kaffeesiedern seiner Zeit neben Anmut, Freundschaft und Fröhlichkeit vor allem auch noch Mut zuschreiben können.

„Wo Kaffee serviert wird, da ist Anmut, Freundschaft und Fröhlichkeit.“

Ansari Djerzeri Hanball Abd-al-Kadir (16 Jhdt.), arabischer Scheich