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10 Jahre KAFFEELAND – the beginning

7. September 2020
Beate und Günter im neuen Lokal

Beate und Günter werden in einigen Interviews ein wenig über die ersten 10 Jahre des KAFFEELANDes erzählen. Heute wollen wir, mit den Erinnerungen an das Jahr 2010 unter dem Titel „10 Jahre KAFFEELAND – the beginning“ den Anfang machen.

2010, das KAFFEELAND Gründungsjahr, könnt ihr euch noch daran erinnern.

Beate: „Aber natürlich. 2010 war für uns ein äußerst ereignisreiches Jahr. Zu Jahresbeginn wurden wir auf unserer Suche nach einem Haus, wo sich Leben und Arbeiten unter einem Dach verbinden lassen, endlich fündig. Nachdem der Kaufvertrag unterzeichnet war, konnten wir mit der Umsetzung unserer Idee vom KAFFEELAND nun tatsächlich beginnen.“

Günter „Wobei der Entschluss dazu schon früher gefallen ist. Beate hatte zu dieser Zeit schon die Ausbildung zum Chef-Kaffee-Sommelière und Röstmeister abgeschlossen. Auch hat für uns bereits der persönlich Kaffeegenuss begonnen. Beate hatte zu der Zeit bereits damit begonnen, unseren persönlichen Kaffee im kleinen Handröster zu rösten“

Beate lacht: „das war die Geburtsstunde unseres Hauskaffees.“

Günter: „Dann wurde geplant. Im Sommer 2010 mussten sowohl der Lokalumbau als auch die private Übersiedelung innerhalb von 5 Wochen über die Bühne gehen. Das war natürlich eine Herausforderung. Aber nachdem alle mit anpackten, ist uns das letztendlich gut gelungen. Und somit wurde 2010 das Jahr, in dem wir unsere Jobs gekündigt und das KAFFEELAND HAINISCH gegründet haben.“

Beate ergänzt: „Ausschlaggebend für diese Entscheidung war unsere Liebe zum Kaffee. Wir wollten dem drohenden Verlust der vielgepriesenen österreichischen Kaffeekultur entgegenwirken und Kaffee wieder zu dem machen, was er ist: ein Genuss.“

Warum habt ihr euch gerade für das Südburgenland als neue Heimat entschieden?

Günter: „Im Zuge der Vorbereitung für die Unternehmensgründung und der intensiveren Auseinandersetzung mit Kaffee wurde uns schnell klar, dass wir unseren Schwerpunkt auf Kaffee aus Afrika, dem Ursprungskontinent des Kaffees setzen werden.
Und über die Geschichte des Kaffees definierte sich dann auch der Standort für das KAFFEELAND rasch. Denn es war im Südburgenland, wo von den Osmanen höchstwahrscheinlich bereits vor der ersten Wiener Türkenbelagerung erstmals Kaffee auf österreichischem Boden geröstet und getrunken wurde. Somit  hat der Kaffee im Südburgenland eine weitaus ältere Tradition als an jedem anderen Ort in Österreich. Beispielsweise wurde das erste Wiener Kaffeehaus mehr als 150 Jahre danach begründet. Damit war klar, dass das KAFFEELAND dort entstehen sollte, wo der erste Kaffee auf österreichischem Boden getrunken wurde.“

Beate: „Und wer von Günter die gesamte Geschichte hören will, wie der erste Kaffee auf österreichischem Boden getrunken wurde, bucht am Besten ein Kaffee-Erlebnis bei uns.“

Was ist ein Kaffee-Erlebnis? Und warum bietet ihr diese an?

Beate: „Wir wollten auch immer mit unseren Produkten und zusätzlich mit Erlebnissen rund um den Themenkreis Kaffee (Anmerkung: Workshops, „kleine Kaffeeschule“, mobile Kaffeebar,…) dazu beitragen, höchsten Kaffeegenuss nachvollziehbar, greifbar und verständlich zu machen. Und wenn wir uns anschauen, wie viele Menschen uns gefolgt sind und ebenfalls eine kleine Kaffeerösterei begründet haben, dann freut uns das schon. Wir haben dann auch den Eindruck, dass hier gerade eine Veränderung stattfindet.“

Günter: „Außerdem haben wir festgestellt, dass es nicht gerade einfach ist, mehr über unser Lieblingsgetränk zu erfahren. Auch das war für uns ein Ansporn, Erlebnisse für alle Sinne zu entwickeln. Mit unseren Erlebnissen wollen wir mehr Information und Wissen zum Kaffee vermitteln. Die Rückmeldungen, die wir von Besuchern bisher erhalten haben, bestärken uns auch, dies weiterhin zu machen.“

Was macht das KAFFEELAND darüber hinaus so besonders?

Beate: „Mit dem genaueren Blick auf die Welt des Kaffees fiel uns auf, dass Kaffee als eines der meist gehandelten Produkte auch ein sehr deutliches Bild des weltweiten Wohlstandgefälles zeichnet. Während Kaffee in der industrialisierten Welt zu den beliebtesten Getränken zählt, gibt es kaum ein kaffeeanbauendes Land, in dem Kaffee auch tatsächlich getrunken wird. Auch die wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen in den kaffeeanbauenden Ländern bleiben trotz fairen Handels von den Spitzenumsätzen und -gewinnen westlicher Konzerne unverändert. Um Kaffee wieder zu einem Genuss zu machen, war für uns deshalb neben der Besinnung zu alten Werten und Produktionsmethoden auch die soziale Innovation einer neuen Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den kaffeeanbauenden Ländern wichtig.“

Günter: „Das war und ist unseres Erachtens nach entscheidend. Es ist auch wirklich notwendig, um Kaffee endlich wieder zu einem Genuss zu machen. Wir sind der Meinung, nur dann ehrlich genießen zu können, wenn wir wissen, dass Fairness auch in den kaffeeanbauenden Ländern ankommt. Wir wollten hierbei auch keine Gütesiegel bedienen, um zur Schau zu stellen, wie toll wir doch sind, sondern einfach und ehrlich dafür Sorge tragen, dass die Unterstützung bei den Menschen vor Ort in den kaffeeanbauenden Ländern ankommt.“

War hier wirklich etwas Neues notwendig?

Beate: „uns war damit von Anfang an klar, dass wir die Länder des Kaffeeanbaus sozial und fair erreichen wollen. Statt der Lizenzabgaben für Gütesiegel unterstützen wir daher die Bevölkerung in den Anbauländern direkt. Dies geschieht einerseits durch die Auswahl von Spezialitätenkaffees. Denn bessere Kaffeequalität bringt nicht nur mehr Geschmack in die Tasse sondern auch den Kaffeebauern einen höheren Preis. (Anmerkung: zum Rohkaffeepreisvergleich gibt es auch einen eigenen Blogbeitrag). Darüber hinaus unterstützt du mit dem Kauf von HAINISCH KAFFEE zusätzlich und automatisch ein soziales Projekt in den kaffeeanbauenden Ländern aus den Bereichen Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur.“

Günter: „Eigentlich machen wir das für dich. Das haben wir von Beginn an gemacht. Denn wenn du schon am Anfang Ausreden findest, warum es nicht geht – wie beispielsweise ‚das ist ein zu geringer Betrag, das zahlt sich nicht aus‘ – dann machst du es nie. Irgendeine Ausrede und ein Grund etwas nicht zu tun findet sich schnell. Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass wir einmal unter dem Titel ’10 Jahre KAFFEELAND – the beginning‘ auf diese Überlegungen zurück schauen werden.“

Beate: „Wenn ich heute auf die Projekte unserer „FAIR world of coffee“ blicke, dann erfüllt mich das mit Freude und auch ein wenig mit Stolz, dass wir hier zumindest für ein paar Menschen das Lebensumfeld ein wenig verbessern konnten.“

Das ist ein schönes Statement zum Abschluss unseres heutigen Gesprächs unter dem Titel „10 Jahre KAFFEELAND – the beginning. In unserem nächsten Gespräch werden wir uns dann mit eurem Ausflug in die Gastronomie beschäftigen.

Übrigens das Titelbild dieses Beitrages stammt aus dem Jahre 2010 und wurde nicht im Rahmen dieses Gesprächs aufgenommen.