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Gemüseanbau für Kleinbäuerinnen (Rwanda/DUHAMIC ADRI)

23. August 2019
Beitragsbild Gemeinsam wachsen

Gemeinsam wachsen – Gemüseanbau für Kleinbäuerinnen in Rwanda

Frauen tragen in den ländlichen Gebieten Ruandas eine schwere Last. Sie sind für die Ernährung ihrer Familien verantwortlich, haben aber aufgrund traditioneller Strukturen keine Möglichkeit, ihre Situation zu erleichtern. Mit einfachsten Mitteln bebauen sie kleine Felder, die Erträge reichen jedoch kaum zum Überleben. Ohne Unterstützung und Zugang zu Bildung haben sie wenig Chancen, ihre Zukunft zu verbessern.
Mit neuem Wissen über bessere und schonende Anbaumethoden kann den Frauen geholfen werden. In Schulungen lernen sie, dieses Wissen im eigenen Gemüsegarten und auf dem Feld wirksam umzusetzen. Durch die Steigerung der Ernteerträge können die Frauen GEMEINSAM WACHSEN, ihre Familien ausreichend ernähren und damit gleichzeitig auch ihre Unabhängigkeit sowie ihr Selbstbewusstsein stärken.

Lange, anstrengende Tage
„Tagsüber bin ich auf unserem kleinen Feld. Dort baue ich Bohnen, Mais, Kartoffeln und ein bisschen Gemüse an. Die Arbeit ist mühsam und der Boden gibt einfach nicht genug her. Seit mein Mann gestorben ist, gelingt es mir kaum, mich und meine drei Kinder zu ernähren. Ich versuche, weniger zu essen, damit wenigstens die Kinder satt werden und sie stark genug sind, um in die Schule zu gehen und sich auf den Unterricht konzentrieren zu können.“
Epaphrodite Nirere sitzt vor ihrer kleinen Lehmhütte und säubert Bohnen, die sie später für das Abendessen kochen wird. Die Tage der verwitweten Kleinbäuerin sind lang. Wenn sie von der Feldarbeit nach Hause kommt, schmerzt ihr Rücken und sie ist todmüde. Ausruhen kann sie sich aber nicht, denn zuerst muss sie noch Feuerholz sammeln und Wasser von einem Brunnen holen, um das Abendessen zubereiten zu können. So wie Epaphrodite Nirere geht es allen Frauen im Dorf.

Gemeinsam wachsen

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Im Land der tausend Hügel
Kleinbäuerliche Familien stellen die überwiegende Mehrheit der rund 12 Millionen EinwohnerInnen des kleinen Landes am Kivu-See dar. Sie besitzen im Durchschnitt weniger als einen halben Hektar Land, das sie mit einfachsten Mitteln bewirtschaften. Meist reicht die Ernte gerade aus, um die eigene Familie zu ernähren, für den Verkauf bleibt kaum etwas übrig. Die grüne, sanfte Hügellandschaft täuscht darüber hinweg, dass 45 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben und ständig ums Überleben kämpfen.

Verlorene Potenziale
Neben den kleinen Anbauflächen stellt aber auch die fehlende Infrastruktur in den ländlichen Gebieten ein großes Problem für die Bevölkerung dar. Wird ein kleiner Überschuss geerntet, gibt es zahlreiche Hürden, um die Waren auf einen Markt zu bringen. Lange, beschwerliche Wege, kaum vorhande Transportmittel sowie fehlende Informationen über Verkaufsmöglichkeiten und Kontakte zu KäuferInnen machen es den KleinbäuerInnen sehr schwer, ein kleines Zusatzeinkommen zu erwirtschaften. Potenziale zur Einkommensschaffung können dadurch nicht genutzt werden.

Die schwere Last der Frauen
Frauen leiden besonders unter diesen schwierigen Lebensbedingungen, da sie oftmals alleine die Last der Ernährung ihrer Familien tragen. Ein Drittel der kleinen Bauernhöfe wird von alleinstehenden Frauen bewirtschaftet. Aber auch wenn ein Ehemann da ist, ist es die Frau, die den Großteil der Feld- und Hausarbeiten leistet. „Trotz ihres enormen Beitrags zur Ernährung der Familien haben Frauen nach wie vor wenig Mitspracherecht bei Entscheidungen oder der Einteilung des Familieneinkommens, geschweige denn Zugang zu Möglichkeiten, ihre kleinen landwirtschaftlichen Flächen besser zu nützen. Obwohl die Gleichberechtigung der Geschlechter offiziell groß geschrieben wird, hat sich auf familiärer Ebene wenig verändert. Deswegen ist es umso wichtiger, dass unsere Arbeit bei den Frauen ansetzt. Indem sie sich Wissen über biologische Landwirtschaft aneignen, ihre Ernteerträge steigern und Überschüsse verkaufen können, werden sie unabhängiger und selbstbewusster,“ erzählt Maggie Carroll, eine Mitarbeiterin von Oxfam Ruanda, über die Hintergründe ihrer Arbeit.

Biologische Gemüsegärten als Hoffnungsträger
Damit Kleinbäuerinnen wie Epaphrodite Nirere ihre Ernteerträge steigern können, bietet die katholische Diözese Byumba sowie die lokale Organisation DUHAMIC ADRI in Zusammenarbeit mit Oxfam in drei der ärmsten Distrikte Ruandas (Nyamagabe, Gakenke und Gicumbi) Schulungen zu biologischer Landwirtschaft an. Das Ziel: Zusätzlich zur Verbesserung der Bodenqualität ihrer kleinen Felder legen die Teilnehmerinnen eigene biologische Gemüsegärten an, in denen sie Amaranth, Spinat, Karotten, Kraut sowie anderes Gemüse anbauen. „Die ärmsten Familien des Dorfs sollen als erstes vom Projekt profitieren. Bei regelmäßig stattfindenden Dorfversammlungen legen die BewohnerInnen die wirtschaftliche Situation jeder einzelnen Familie gemeinsam fest und entscheiden darüber, welche Frauen an den Kursen teilnehmen. Dieses System heißt Ubudehe und hat in Ruanda eine lange Tradition“, erklärt Gasore Nkunda, der lokale Projektkoordinator.

Pflanzen, ernten und verkaufen
In Gruppen von bis zu 20 Personen lernen die Kleinbäuerinnen vier Monate lang Wissenswertes über den biologischen Gemüseanbau, das sie sogleich selbst in den eigens für die Kurse angelegten Demonstrationsgärten ausprobieren können. Die Ernteerträge der Gärten werden verkauft, der Erlös kommt den Teilnehmerinnen zugute. Die Schulungen bestehen aus drei Teilbereichen:
Biologische Anbaumethoden. Die Kleinbäuerinnen lernen die Vorbereitung der Saatgut, das Ziehen von Setzlingen, Möglichkeiten zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit (Kompost etc.), die Herstellung von biologischen Düngemitteln sowie platzsparende, innovative Anbaumethoden wie zum Beispiel Sackgärten.
Lagerung, Konservierung und Vermarktung. Um das geerntete Gemüse möglichst lange haltbar zu machen und besser verkaufen zu können, erlernen die Frauen darüber hinaus die richtige Lagerung des Gemüses sowie unterschiedliche Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung.
Verbesserung der Ernährung. Ein Kurs über die Zubereitung nährstoffreicher Speisen bildet den Abschluss, damit die Frauen ihre Kinder ausgewogen und gesund ernähren können.
Im Anschluss an den Schulungszyklus erhalten die Kleinbäuerinnen eine Grundausstattung an Saatgut sowie einfache Arbeitsgeräte für das Anlegen ihrer eigenen Gemüsegärten. Darüber hinaus werden Treffen abgehalten, bei denen sich die Frauen vernetzen können und ihnen geholfen wird, ihre Waren gemeinsam in größeren Mengen an Händler zu verkaufen und bessere Transportmöglichkeiten zu organisieren.

„Mein Gemüsegarten ist mein kleines Reich. Hier bin ich glücklich. Weil die Pflanzen so gut wachsen, kann ich meine Kinder besser ernähren. Und mit dem Verkauf der überschüssigen Ernte kann ich sogar etwas Geld verdienen.“ eine Kleinbäuerin.

In diesem Projekt erhalten Kleinbäuerinnen das nötige Wissen über biologischen Gemüseanbau sowie ein Startset bestehend aus Saatgut und einfachen Arbeitsgeräten, um eigene Gemüsegärten anlegen und in Folge ihre Ernteerträge steigern zu können. Wir unterstützen die Finanzierung dieses Projektes.

Fotos: © Oxfam, DUHAMIC ADRI und Diözese Byumb (Da wir die sozialen Projekte nicht selbst betreuen und besuchen, ist der Projektträger die Quelle und Eigentümer der Fotos)
Projektbeschreibung: © Entwicklungshilfeklub
KAFFEELAND HAINISCH in Zusammenarbeit mit Entwicklungshilfeklub, Oxfam, DUHAMIC ADRI und Diözese Byumb (Durchführung im Einsatzgebiet)

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