Cascara Kaffeekirschentee - KAFFEELAND HAINISCH Blog

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Anbau und Herkunft

Cascara Kaffeekirschentee

18. April 2019
Hand mit Kaffeekirschen

Bereits seit Jahrhunderten wird dieser Tee aus den getrockneten Schalen der Kaffeekirsche (das ist die Frucht, die die grüne Kaffeebohne umhüllt) gewonnen und getrunken. Der Kaffeekirschentee ist älter als unser geliebter Kaffee. Es war vermutlich die erste Form der Kaffee-Zubereitung. (Wenn wir uns beispielsweise eine Version der Legende um Kaldi genauer ansehen, dann haben die Mönche des Klosters höchstwahrscheinlich ein Teegemisch aus dem Fruchtfleisch und den Blättern der Kaffeepflanze zubereitet).

Dank unseres Angebotes eines Cascara Kaffeekirschentees haben wir nun Bekanntschaft mit dem EU Novel food catalogue gemacht. Wie wir gelernt haben, werden unter Novel food „neuartige“ Lebensmittel verstanden, die vor dem 15. Mai 1997 (als die erste Verordnung über Novel food in Kraft trat) in der EU nicht in nennenswertem Maße von Menschen verzehrt wurden (selbst wenn sie traditionell außerhalb der EU über Jahrhunderte hinweg konsumiert werden).

Beinahe 20 Jahre kam diese Liste ohne Teile der Kaffeepflanze aus, denn wie wir nun erfuhren, wurde der Cascara Kaffeekirschentee zum Jahreswechsel 2016/17 von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in diesen Katalog aufgenommen. Eigentlich ging es aber zunächst gar nicht wirklich um den Cascara Kaffeekirschentee. Der Erklärung des Kataloges folgend wurde die Aufnahme des Cascara Kaffeekirschentees durch eine Anfrage betreffend „weißem Kaffee“ (Getränk aus grünen, ungerösteten Kaffeebohnen) ausgelöst. Beim „weißen Kaffee“ kam die Behörde überraschenderweise zu dem Schluss, dass dieser bereits vor 1997 in nennenswertem Maße innerhalb der EU verzehrt wurde und somit nicht als Novel Food gilt. Jedoch im Zusammenhang mit dieser Erklärung wurde dann der Cascara Kaffeekirschentee zu Novel Food erklärt. Wer diese Geschichte nicht kennt, würde Cascara allerdings im Katalog auch nicht so einfach finden, da die Listung des Kaffeekirschentees als Novel Food unter dem EPPO Code für Kaffee (Coffea sp.) zu finden ist, vermutlich aufgrund der ursprünglichen Anfrage

Mit der Aufnahme in den Katalog gilt die Kaffeekirsche nun rechtlich als eigene Rohware ohne offizielle Lebensmittelzulassung (und nicht mehr als Kaffee, Früchte- oder Kräutertee) und darf somit auch nicht mehr verkauft werden.

Sollten wir jedoch nachweisen können, dass Cascara außerhalb der EU seit mehr als 25 Jahren getrunken wird, hätten wir die Möglichkeit eines vereinfachten Zulassungsverfahrens. Für uns als kleine Kaffeerösterei wäre dies ein abenteuerliches (und kostspieliges) Unterfangen. Abenteuerlich vor allem auch deshalb, weil die Novel Food Liste in den ersten 20 Jahren ihres Bestehens auch ohne Listung des Kaffeekirschentees ausgekommen ist.

Dass Cascara nicht mehr als Tee verkauft werden darf, hat sich vermutlich noch nicht überall herumgesprochen (da scheint es auch noch andere zu geben, die den EU Novel Food catalogue nicht regelmäßig überprüfen), wird Cascara Kaffeekitrschentee doch nach wie vor im Handel angeboten.

Wir haben den Kaffeekirschentee jedenfalls aus unserem Angebot genommen. Vermutlich wird in naher Zukunft die Zeit kommen, in der Cascara nur mehr als Potpourri erhältlich sein wird, da das getrocknete Fruchtfleisch der Kaffeekirschen doch auch einen äußerst wohlriechenden Geruch hat.

Cascara stammt oftmals von Pacamara-Kaffeekirschen, der süßesten Varietät aller Arabica-Kaffeekirschen. Einfluss auf den Geruch hat aber auch die Aufbereitungsvariante des Kaffees. So ist Cascara aus einer fully washed Aufbereitung die eher etwas fruchtigere Cascara-Variante. Hingegen der Klassiker aus der natural Aufbereitung mit einem einzigartig reinem und natürlichem Geruch in Richtung English Breakfast.

Wer außerhalb der EU einmal die Möglichkeit vorfinden sollte, einen Cascara Kaffeekirschentee zu trinken, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Der Cascara enthält annähernd so viel Koffein wie Kaffee (als Vergleich wird ein Heißgetränk von rund 250ml Wasser herangezogen, welches durch das Aufgießen von 10g getrocknetem Fruchtfleisch und
5 -7 minütigem Ziehen entstanden ist) und wirkt daher genauso angenehm belebend. Er könnte auch zu jeder Tages- und Jahreszeit angeboten werden: Morgens als Energie-Spender oder mit ein wenig Honig als Nachmittagstee – als fruchtiger Eistee im Sommer erfrischend oder als wärmender Glühwein im Winter – infolge seines natürlichen Koffeingehaltes hat er immer diese belebende, erfrischende und kräftigende Wirkung.